Menschenleben in Gefahr: Alarm für die Feuerwehren Idstein


2015-04-23 Alarmuebung Im Hahnstueck01

Achtung! Achtung! Alarmübung für die Feuerwehr Idstein. Brandverdacht „Im Hahnstück 2".

Mit dem schrillen Alarm der Funkmeldeempfänger und der Durchsage des Leitstellendisponenten endet am Donnerstag um genau 19:45 Uhr die zweiwöchige Vorbereitungszeit. Ein ganzes Team hatte zuvor die Übung ausgearbeitet und geplant, hatte das ehemalige Mehrfamilienhaus der Stadt Idstein auf diesen Moment vorbereitet. Nach der Übung wird es abgerissen, doch jetzt dringt aus allen Ritzen, Türspalten und Kellerfenstern dichter Kunstrauch.

Im verwinkelten Keller ist es nach Arbeiten an der Heizung zu einem Feuer gekommen. Der Rauch – aus insgesamt drei Nebelmaschinen - hat sich schnell seinen Weg durch das Treppenhaus bis unters Dach gebahnt. Den Bewohnern aller sechs Wohnungen ist damit der Fluchtweg durchs Treppenhaus abgeschnitten. Eine Familie wollte sich dennoch vom zweiten Stockwerk durchs Treppenhaus ins Freie retten. Doch nur die Mutter hat es bis nach unten geschafft. Sie vermisst jetzt panisch Tochter und Ehemann, die sie im vollkommen verrauchten Treppenhaus verloren hat. Ihre anderen beiden Kinder stehen mit einem Freund in der obersten Wohnung am Fenster im dichten Rauch und schreien aus Leibeskräften um Hilfe. Die Türen der anderen fünf Wohnungen blieben glücklicher Weise verschlossen. Trotzdem bangen weitere elf Statisten vom Erdgeschoss bis ins oberste Stockwerk um ihre Gesundheit und schreien an den Fenstern um Hilfe.

2015-04-23 Alarmuebung Im Hahnstueck02Dieses Szenario ist wohl eine der größten denkbaren Herausforderungen für jede Führungskraft in der Feuerwehr. Und gerade deshalb soll es an diesem Abend geübt werden. Vier Minuten nach der Alarmierung trifft das erste Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Idstein an der Einsatzstelle ein. Die Einsatzkräfte werden von der hysterischen Mutter gebührend empfangen. Tatsächlich könnten die Statisten ihre Rollen nicht besser spielen und so scheint es schon nach den ersten 20 Sekunden vergessen, dass es sich „nur" um eine Übung handelt.

Im nächsten Moment erhöht die Leitstelle das Alarmstichwort: „Achtung! Achtung! Alarmübung für die Feuerwehren Wörsdorf, Nieder- und Oberauroff! Bestätigtes Feuer in einem Mehrfamilienhaus! Mehrere Personen im Gebäude!"

2015-04-23 Alarmuebung Im Hahnstueck03Als der Rauch um die drei Eingeschlossenen im obersten Stockwerk immer dichter wird, machen die beiden Statisten ernst und setzen die 40 kg schwere Übungspuppe aufs Fensterbrett: „Ich kann ihn nicht mehr halten! Der springt gleich!". Während der erste Atemschutztrupp sich bereits seinen Weg durch das Treppenhaus nach oben bahnt, befiehlt der Gruppenführer den Sprungretter vorzubereiten. In weniger als einer Minute ist der einsatzbereit und wird von zwei Einsatzkräften unter das Fenster getragen. Noch während die Drehleiter aufgestellt wird fällt die Puppe vom zweiten Stockwerk in das neon-orangene Sprungpolster.

Nach und nach treffen immer mehr Fahrzeuge und Einsatzkräfte an der Übungsstelle ein. Am Ende werden fast 50 Einsatzkräfte der Feuerwehr mit sieben Fahrzeugen vor Ort sein. Die Statisten werden über drei Steckleitern und die Drehleiter aus den Wohnungen gerettet. Insgesamt acht Trupps unter Atemschutz haben im Treppenhaus den vermissten Vater mit Kind gefunden, sowie den verwinkelten Keller und alle Wohnungen abgesucht. Die beiden vermissten Heizungsbauer werden nicht gefunden, sie waren gar nicht mehr im Keller. Auch das trifft die Realität.

Die Herausforderung im Einsatzleitwagen der Feuerwehr Idstein ist es nun einen Überblick zu bekommen: Wie viele Personen waren in dem Gebäude? Wer ist hier überhaupt gemeldet? Wer wurde schon gerettet? Wer wird noch vermisst?

Nach 1 ½ Stunden sind schließlich alle Fragen geklärt. Der Rauch wurde mit Lüftern aus allen Teilen des Gebäudes gedrückt und jeder Raum zum wiederholten Male abgesucht. Die Übung ist beendet. Die vier Übungsbeobachter um Stadtbrandinspektor Werner Volkmar zeigen sich zufrieden mit der Übung. Es ist gut gelaufen – aber natürlich hat man auch erkannt an welchen Punkten man noch arbeiten kann. Dafür war die Übung schließlich da.
Bevor es nach dem Aufräumen zu Wiener Würstchen in den Idsteiner Feuerwehrstützpunkt geht, bedankt sich die Übungsleitung noch bei allen Beteiligten: den zahlreichen Statisten, der Kommunalen Wohnungsbau-Gesellschaft und der Bauleitung, die das Übungsgebäude zur Verfügung gestellt haben. Und natürlich allen Beteiligten der Freiwilligen Feuerwehren Idstein, die, wie so oft, alles stehen und liegen gelassen hatten, um anderen zur Hilfe zu eilen. Die Einsatzkräfte sind zufrieden mit sich und der Übung – auch wenn jeder hofft, ein solches Szenario in der Realität nie erleben zu müssen.

Wir möchten uns an dieser Stelle vielmals bedanken:

  • Bei allen Statisten, die die Übung so realistisch gestaltet haben!
    Vielen Dank vor allem an die zahlreichen Statisten der Firma Stricker!
  • Bei der Kommunalen Wohnungsbau GmbH und der Bauleitung der Firma Moses für die Bereitstellung des Übungsobjektes!
  • Bei Wiesbaden112 für die Begleitung der Übung und die wie immer tollen Bilder sowie das Video zur Übung!
  • Bei allen Übungsbeobachtern der Feuerwehren Taunusstein, Idstein und Wörsdorf!
  • Bei allen Helfern, die die Übung vorbereitet haben!
  • An alle (hoffentlich) überraschten Einsatzkräfte aus Idstein, Wörsdorf, Nieder- und Oberauroff :-)!

Bilder und Video: Wiesbaden112 - vielen Dank auch diesmal wieder für Eure Unterstützung!

 

 

myFlickr

Aktuelle Seite: Home Übungen Übungsberichte Menschenleben in Gefahr: Alarm für die Feuerwehren Idstein