16.06.2018: TH VU Seminar

Das alljährliche Seminar zum Thema „Technische Hilfeleistung nach Verkehrsunfall“ ist seit mehr als 10 Jahren ein regelmäßiger und beliebter Termin auf dem Dienstplan der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Idstein. Die diesjährige Veranstaltung wurde federführend von dem Stellvertretenden Wehrführer Markus Middel und Christian Münster, der die Ausbildung als Gruppenführer unterstützte, organisiert und am 15./16.06.2018 durchgeführt.

Da beim Seminar vor zwei Jahren speziell auf die Thematik LKW`s, deren Aufbau, deren Technik und den damit verbundenen Besonderheiten bei Unfällen eingegangen wurde, stand in diesem Jahr beim Theorieteil eine Fahrzeugkategorie an, welche noch nicht behandelt wurde.

Dazu wurden in einem  Vortrag zum Thema „Busse“ verschiedene Busstypen, deren Aufbauten und Besonderheiten, sowie die Zugangsmöglichkeiten bei verunfallten Fahrzeugen behandelt.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Einsatzablauf, das Schema bei jedem Unfall das Gleiche sein sollte, unabhängig davon, welche Fahrzeuge beteiligt sind. Allerdings stellen sich bei LKW und Bussen im Gegensatz zu PKW recht schnelle zusätzliche Probleme dar.

 

Beginnend mit der Größe und Dimension der Fahrzeuge, der massiveren Bauweise, vor allem bei LKW und der damit verbundenen höheren Gewichte von Bauteilen kommt bei Bussen ein wichtiger Faktor dazu, die Anzahl betroffener Fahrgäste!

Sind doch in modernen Bussen, vor allem in Gelenk-Linienbussen, wie sie auch im Idsteiner Stadtverkehr häufig zu sehen sind theoretisch über hundert Fahrgäste möglich. Entsprechend groß wäre in einem solchen Fall natürlich der Platzbedarf, um an- und abrückende Rettungsmittel (Rettungs- und Notarztwagen) geordnet koordinieren zu können. Bei enger Stadtbebauung eine umso größere Herausforderung.

Ebenso wichtig für die Rettungskräfte sind die heutzutage immer vielfältigeren Antriebsmöglichkeiten der Fahrzeuge und der damit verbundenen Gefahren. Sind doch bei LKW nach wie vor Dieselmotoren am häufigsten anzutreffen reicht die Palette bei Bussen über Dieselmotoren, Hybridantriebe und Gasantriebe bis hin zu reinen Elekroantrieben.

 Mit den sich verändernden Automobil-Technikstandards hat sich in den letzten 20 Jahren auch in Teilbereichen das Vorgehen der Rettungskräfte bei Verkehrsunfällen verändert. Gerade alternative Antriebssysteme, und Airbagsysteme, die an mehreren Stellen im Fahrzeug vorhanden sein können, müssen bereits in der frühen Einsatzphase bei der Planung berücksichtigt werden. Gleichzeitig ist die schonende, patientenorientierte Rettung der Patienten mit Absprache des Rettungsdienstes aus dem Fahrzeug ein vorrangiges Thema.

Das Seminarwochenende bietet für alle Teilnehmer eine gute Basis zum Erfahrungsaustausch und Diskussion über die Vorteile verschiedener Taktiken und Vorgehensweisen. Dabei konnten erfahrene Feuerwehrleute Praxistipps an die jüngeren Feuerwehrkräfte weitergeben und gleichzeitig aber auch neue, veränderte Vorgehensweisen auffrischen.

Nach dem Theorieteil am Freitag wurden dann am Samstag im Rahmen einer Stationsausbildung an jeweils einem Unfallfahrzeug praktisch geübt. Dank entsprechender Recherche im Vorfeld und eines Aufrufes via Facebook ist es uns gelungen 4 Altfahrzeuge für die Ausbildung zu erhalten. An dieser Stelle sagt die Freiwillige Feuerwehr Idstein im Namen aller Teilnehmer: Herzlichen Dank für den Support & die freundliche Unterstützung, sowohl bei den Kontakten die uns die Fahrzeuge bereitgestellt haben als auch den Facebook-Unterstützern, die die Kontaktaufnahme durch Teilen des Beitrages ermöglicht haben.

An der ersten Ausbildungsstation stand ein verunfallter Nissan bereit. Es wurde angenommen, dass der Fahrer des Fahrzeuges (hier dargestellt durch eine Übungspuppe) im Fahrzeug eingeklemmt ist und sich die Türen des Fahrzeuges nicht mehr von Außen öffnen lassen. Vor Beginn der Arbeiten an dem Fahrzeug hat die Sicherung der Einsatzstelle, die Organisation des Raumes um das Unfallfahrzeug und das Stabilisieren des Fahrzeuges oberste Priorität. Anders als im Einsatzfall wurden die Einzelschritte der Rettung zuvor gemeinsam als Team besprochen, Alternativen diskutiert und dann entsprechend umgesetzt. Nach der Öffnung einer Tür als Erstzugang wurde eine Versorgungsöffnung zu dem Patienten geschaffen. Im letzten Schritt wurde eine „Großen Seitenöffnung“ am Fahrzeug geschaffen, bei der beide Türen und die B-Säule entfernt wurden. Hierdurch konnte dann der verletzte Fahrer auf einem Rettungsbrett/SpineBoard achsengerecht und schonend aus dem Fahrzeug befreit werden.

Bei der zweiten Station ging es vorrangig um die Stabilisierung eines Fahrzeuges. Dabei wurde ein auf dem Dach liegender PKW nach einem Verkehrsunfall dargestellt. Mit verschiedenen Gerätschaften und Techniken wurde das Fahrzeug gegen weiteres Kippen und Verrutschen zunächst stabilisiert. Auch hier konnten die ehrenamtlichen Einsatzkräfte ihre Ideen zum Vorgehen einbringen und ausprobieren.

Nach einer gemeinsamen Mittagspause wurde ein weiteres Übungszenario dargestellt, welches auch bei einem tatsächlichen Verkehrsunfall mit mehreren Fahrzeugen vorkommen kann. Nach einem Unfall war ein PKW zwischen zwei LKW blockiert. Aufgrund der LKWs und einem weiteren Hindernis auf der Beifahrerseite des PKW, bestand zuwenig Platz um die Türen zu Öffnen oder im Seitenbereich ein hydraulisches Rettungsgerät einzusetzen. Gleichzeitig war der Fahrer des Fahrzeuges in seinem Fahrzeug verletzt und sollte achsengerecht gerettet werden. Die Einsatzkräfte entschieden sich nach Stabilisierung des Fahrzeuges dazu das Dach des Fahrzeuges vollständig zu entfernen. Dabei wurde das Dach und der Dachhimmel wie bei einer Fischdose nach vorne weggeklappt. Anschließend konnte die Person aus dem Fahrzeug befreit werden.

Für alle ehrenamtlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die gerne ihr freies Wochenende investierten, war es ein spannendes und lehrreiches Seminar. Vielen Dank an die Organisatoren und natürlich alle Teilnehmer

 

  • 20180616_091427
  • 20180616_101250
  • TH-VU1
  • TH-VU10
  • TH-VU2
  • TH-VU3
  • TH-VU4
  • TH-VU6
  • TH-VU7
  • TH-VU8
  • TH-VU9

Simple Image Gallery Extended

 

Aktuelle Seite: Home Übungen Übungsberichte 16.06.2018: TH VU Seminar